Samstag Morgen, zweimal Frühstück (Saturday Morning, Two Breakfasts)

von Dasha K. (dashak@visi.com)

 

Deutsche Übersetzung von DanaK35 (DanaK35@yahoo.com)

 

 

Sie hat den Morgen schon immer gehaßt, war immer aufgewacht, wie ein Gefangener, der seiner Verabredung mit dem elektrischen Stuhl entgegenblickt. Als Kind hat sie es geliebt aufzustehen und die bunten Geschenke unter dem Weihnachtsbaum vorzufinden. An Ostern, wenn es Körbchen voller bunter Eier und Schokoladenhasen gab war es auch nicht schlecht. Dies waren die einzigen Morgen, die sie mochte.

 

Jetzt als Erwachsene, schlägt sie auf den Alarmknopf der Uhr und setzt sich langsam auf, in ihr dunkles Schlafzimmer blinzelnd. Ein neuer Tag, eine neue Leiche, denkt sie jedesmal. Erst nach ihrer zweiten Tasse Kaffee, beginnt sie sich wieder halbwegs menschlich zu fühlen. Sie kennen sogar ihren Namen in dem Coffee Shop weiter unten an der Strasse, wissen, dass sie den extra großen Becker italienischen Kaffee nimmt, so voll, dass nur ein wenig Platz für Sahne bleibt.

 

Heute jedoch ist ein guter Morgen, denkt sie und öffnet die Augen. Die Sonne scheint durch die Jalousien und wirft gold glühendes Licht auf die frisch gemalten Wände. Es ist einer der wenigen Samstage, an denen sie nicht arbeiten muss. Sie sind erst Donnerstag abend von einem Fall in Tallahassee, Florida zurückgekehrt und alles, was noch zu tun bleibt ist der Papierkram.

 

Oh Gott, Samstage sind toll. Am letzten freien Samstag, den sie hatten, haben Mulder und sie den Tag damit verbracht, sein Schlafzimmer zu streichen, daraus wieder einen bewohnbaren Ort zu machen. Die Luft riecht noch immer leicht nach Farbe, ein seltsam beruhigender Geruch, denkt sie als sie sich auf den Bauch dreht. Achtundvierzig Stunden Freiheit, denkt sie freudig. Süße, süße Freiheit.

 

Das beste, ja das allerbeste ist es, an einem freien Samstag aufzuwachen, weil er feuchte Küsse auf ihrem nackten Rücken plaziert.

 

Mmm-hmm, es wird ein guter Tag werden.

 

Sie möchte sich umdrehen und Mulder küssen, entscheidet sich aber dafür, die Qual noch ein bisschen zu verlängern und einfach darauf zu warten, bis die Hitze stärker wird, während sie ihre Hüften rotiert und seinen minzigen, zahnpastafrischen Atem auf ihrem Gesicht spürt.

 

Zahnpastafrisch? Verdammt, er hat wieder getrickst und seine Zähne geputzt!

 

Scully gibt der Versuchung nach, dreht sich herum und piekst ihn in seine Nase. "Du hast dir die Zähne geputzt!" murmelt sie.

 

 

Sein Glucksen scheint tief aus seiner Brust zu kommen. "Das Thai Curry," sagt er.

 

Sie löst sich aus seinen Oktopus Armen und stolpert ins Badezimmer, unwillig ihn mit einem Mund zu küssen, der noch immer nach dem Bangkok Gelage von letzer Nacht schmeckt. Zahnpasta ist eine wunderbare Erfindung, denkt sie, während sie ihre Zähne wild schrubbt und gleichzeitig auf der Toilette sitzt. Sie hat ihre zeitsparenden Techniken für die Morgentoilette schon lange gemeistert.

 

Im Schlafzimmer hält sie kurz inne, um den Anblick, der sich ihr bietet zu geniessen. Mulder, in seinem Bett ausgestreckt, unter der Decke, die sie im zum Geburtstage geschenkt hatte. In all seinem Glanz. Dieser Anblick ist besser als alle Geschenke und Schokoladen-Osterhasen zusammen.

 

Sie schlüpft zurück unter die warme Decke und verwuschelt sein Haar. Er ist wieder eingeschlafen, aber er wird aufwachen. Oh, ja, er wird aufwachen.

 

Es ist manchmal noch immer überraschend für sie, neben ihm aufzuwachen. Dann denkt sie sich, was zum Teufel machst du in meinem Bett, Mulder?

 

Ein paar Mal, ganz am Anfang, dachte sie sie würde neben Skinner liegen und die Berührung von Mulder's Haar auf ihrem Rücken brachte sie in die Wirklichkeit zurück. Ich bin jetzt mit Mulder zusammen, dachte sie dann und es erfüllte sie mit überraschend großer Freude.

 

Freude. Freude ist eine neues Gefühl, das es zu betrachten gilt und sie lernt noch, es in seine roten, orangen und gelben Farben, zu schätzen zu wissen

 

Sie kniet über seinem schlafendend Körper und küsst ihn sanft auf jedes seidene Augenlid, beobachtet wie sie sich bei ihrer Berührung öffnen. Seine Lippen verziehen sich zu einem Grinsen. "Sind die Zähne jetzt sauber und glänzend?"

 

Sie zeigt ihm die Zähne und knurrt.

 

Seine Hand kriecht ihren Schenkel entlang. "Ich liebe Samstag morgens," sagt sie in sein Ohr.

 

"Nicht halb so viel, wie ich." Mit seiner großen Hand umfaßt er ihren Nacken und zieht sie zu sich. Der erste Kuss des Tages ist der schönste, denkt sie, als seine Zunge in ihren Mund taucht und die ihre findet. Sie erinnert sich noch immer an ihren ersten, überraschenden Kuss, seine Lippen naß vom Regen, sein Mund nach Kaffee und Schokolade schmeckend. Damals nahm sie an, das er so gut schmeckte, weil er irgendetwas gegessen hatte. Jetzt weiß sie, dass er immer so schmeckt. Süß und Lecker

 

Sie könnte Stunden so verbringen. Genau dass haben sie vor ein paar Wochen auch getan, während eines Falles in Iowa. Es war ein kühler Herbsttag außerhalb Davenports gewesen, als sie das Auto auf einer ländlichen Strasse, umgeben von den dunklen Schatten der Bäume, geparkt hatte, über ihnen nur der Teppich des sternenklaren Himmels. Sie löste ihren Sicherheitsgurt und drehte sich zu ihm und sie verbrachten Stunden damit sich im Mondlich zu küssen und zu berühren, während aus dem Autoradio die neuesten Pophits erklangen. Sie hatte sich gefühlt, als ob sie noch mal sechzehn wäre, stellte sich vor, wie sie nach Hause rasen mußte um noch rechtzeitig vor der Sperrstunde, die ihr strenger Vater verhängt hatte, dort anzukommen.

 

 

 

Mit jedem Kuss, der tiefer und verlangeder wird, fühlt sie ihre eigene Erregung steigen, wie Fieber. Sie kann nicht erklären, was es ist, das Mulder tut. Sie hat Lust erlebt, die so extrem war, das sie dachte, sofort einen Herzanfall bekommen zu müssen, sie hat Liebhaber gehabt, die ihr markerschütternde Schreie entlocken konnten, aber niemals, niemals hat sie diese Art von Lust verspürt; nie diese tiefe Befriedigung.

 

Vielleicht, weil wir uns lieben, überlegt sie während sie seinen salzigen Nacken küsst. Nachdem sie noch nie vorher verliebt gewesen war, kennt sie den Unterschied nicht.

 

Ist es da, was Skinner gefühlt hat, wenn sie miteinander im Bett waren? Sie weiß, dass er sie geliebt hat.

 

Nein, jetzt ist nicht die Zeit, über ihn nachzudenken. Schuld hat hier in diesem Schlafzimmer nichts zu suchen.

 

Mit ihrem Mund erkundet sie langsam seinen Oberkörper. Sie hält an ihren Lieblingsstellen inne, seinen Brustwarzen, den Konturen seiner Rippen, dem dunklen Haar, das von seinem Bauchnabel bis in sein Schamhaar reicht. "Der Schatz Pfad" so hatte es Melissa genannt, als sie vierzehn oder fünfzehn gewesen war. Sie erinnert sich an ihr entsetztes Gekicher.

 

Und dann erreicht sie ihren neuen Lieblingsplatz; Mulder's steifen Penis. Komsich, sie hat jahrelang eng mit ihm zusammengearbeitet und hat nie auch nur daran gedacht, er könne so etwas unter seinen Anzügen verstecken. Sicher, sie hatte ihn sogar schon gesehen, aber das war immer unter extrem Bedingungen gewesen und sie war unter solchen Umständen ganz Medizinerin.

 

Das erste Mal, dass sie sich Mulder's Penis als etwas anderes als einer nebligen Wunschvorstellung bewußt wurde, war in jener Nacht im Juli, als er zu ihr kam.

 

Sie hatten lange Zeit auf ihrer Couch gesessen und die Flasche Shiraz ausgetrunken, die von der vorherigen Nacht noch übrig geblieben war, während die versuchten, die verworrenen, zarten Bande ihrer Beziehung zu entwirren. Irgendwann warf sie die Hände in die Luft. "Mulder," sagte sie und ihre Füße trommelten nervös auf den Teppich. "Genug geredet."

 

Woraufhin er sie auf seinen Schoß zog und ihre Münder vereinten sich zu einem langen, gleitenden Kuss, der nach Schokolade und australischem Wein schmeckte. Und da fühlte sie ihn, wie er sich steif gegen ihre rechte Pobacke presste. 'Mein Gott,' dachte sie und küßte in fordernder. 'Mulder hat einen Penis und ich habe ihn erregt.'

 

Sie konnte nicht anders, sie warf ihren Kopf zurück und lachte vor Triumph und Überraschung.

 

 

Es ist Spaß, der ihrem Leben zu lange gefehlt hat. Trotz ihrer Ambitionen und Hingabe im College, hatte sie doch immer gewußt, wann es Zeit war, ihre Nase aus den Büchern zu nehmen und Spaß zu haben. Dana und eine Horde Freundinnen stylten sich das Haar mit Mousse auf und zogen los, um den Samstag abend auf einer Party in einer heruntergekommenen Wohnung zu verbringen. Sie tranken Bier, tanzten zu New Order und Depeche Mode und flirteten ein wenig mit dünnen, schwarzgekleideten Jungs. Am meisten jedoch erinnert sie sich an das Gelächter, wenn sie sich mit Sheila und Kate im Badezimmer verschanzte, und sie sich darüber kaputt lachten, wie Sheila sich wegen eines albernen Jungen zum Idioten gemacht hatte. Sie lachten so sehr, dass die blaue Wimperntusche in Bächen über ihr Gesicht lief und ihnen die Seiten weh taten.

 

Nach dem College lachte sie mit jedem Jahr weniger. Es erscheint ihr, als ob sie jahrelang überhaupt nicht mehr gelacht hätte.

 

 

Jetzt, wo Mulder ihr Liebhaber ist, ist das anders. Ihr Leben ist noch immer eine verzweifelte Suche nach der Wahrheit, aber wenn sie zusammen sind, schütteln sie den Ballast ab und verwandeln sich in entspanntere Versionen ihrer Selbst. Er ärgert sie und sie lächelt sogar, anstatt ihn böse anzusehen. Sie kitzelt ihn, nur um zu beobachten, wie sein Gesicht sich vor Lachen verzieht. Manchmal liegen sie abends im Bett, essen etwas vom Lieferservice und erzählen sich einfach Geschichten. Inzwischen beschwert sich Scully nicht einmal mehr über Krümel im Bett.

 

Dass Liebe nicht immer todernst sein muss, ist etwas, das sie erst gelernt hat. Liebe kann sein, sich die Comics vorzulesen, den Toast zu verbrennen oder falsch mit dem Titelsong von "Cheers" mitzusingen.

 

Selbst wenn ihre Beziehung enden würde, wäre sie noch immer unendlich dankbar für diese Lektion.

 

 

Sie umfaßt ihn mit einer Hand und drückt zu, hört, wie er unverständliches vom Kopfende aus zu murmeln beginnt. Sie liebt es, wenn sie ihren sonst so brillanten Partner in einen murmelnden Idioten verwandeln kann, nur indem sie in berührt. Sie öffnet den Mund und nimmt ihn soweit auf, wie es geht, während er sich weiter windet und stöhnt. Es ist toll, ihm dieses Gefühl zu geben, die Macht zu haben, ihm Lust zu bereiten. Langsam, als ob sie ein leckeres Kirscheis essen würde, leckt und saugt sie, fühlt, wie das Blut zwischen ihre Beine strömt, ihre eigene Erregung sich mit jeder Bewegung steigert.

 

Sie wird von Mulder's Händen, die gerade noch in ihrem Haar vergraben waren hochgezogen. "Was machst du…" versucht sie zu fragen.

 

Seine Augen sind noch geschlossen. "Dreh' dich um, Scully."

 

Sei weiß, was er vorhat und ihr Herz hüpft. Sie dreht sich, so dass sie auf der Seite liegt, ihr Kopf auf gleicher Höhe mit seiner Mitte. Sie keucht, als sie spürt, wie er ihre Schenkel mit rauhen Händen teilt und sein warmer Atem auf ihre Locken trifft. Und dann, oh ja, findet seine feuchte Zunge ihre Klitoris und ihr Rücken versteift sich, als ob sie einen Stromschlag erlitten hätte. Er weiß genau, was sie mag, leichte, neckende Kreise, nicht zu hart, nicht zu weich, einfach in perfektem Rhythmus. "Mulder," ist alles was sie herausbringt, ihr Bewußtsein ist zu sehr damit beschäftigt, mit der Lust, die ihre untere Körperhälfte überfällt, fertig zu werden.

 

Irgendwie, erinnert sie sich daran, ihren Kopf zu senken und ihn wieder in den Mund zu nehmen. Ihre Zunge gleitet über seine Spitze und er erhöht den Druck seiner Zunge, und sie saugt stärker, während sie versucht, mit ihm mitzuhalten, obwohl sie langsam den Verstand verliert, durch die Berührung seiner Zunge und Finger. Mulder's Hüften zucken, ein sicheres Zeichen, dass er kurz davor ist zu kommen und er schiebt sich so tief in sie, dass sie seinen Hintern packen muss um ihn zurückzuhalten. Auch sie ist nahe daran, stolpert gefährlich am Abgrund entlang. Dann fühlt sie, wie seine Eier sich zusammenziehen und mit einem erstickten Stöhnen kommt er, ergießt sich in sie.

 

Mit einer Behendigkeit, die für einen Mann, der gerade einen Orgasmus gehabt hat, beeindruckend ist, dreht er sie auf den Rücken, schiebt ihre Knie nach oben und senkt sein Gesicht. Ihren Kopf halb vom Bett hängend, legt sie die Arme über die Augen um nicht in die Sonne zu sehen, alles zu verdrängen, außer seiner Zunge, die sie leckt, seiner Finger, die in sie hinein und wieder hinausgleiten, alles zu verdrängen, dass nicht mir Lust zu tun hat.

 

Und dann schreit sie auf.

 

Nein, es ist eigentlich kein Aufschreien, es ist ein Geräusch, irgendwo zwischen einem Schrei und einem Knurren, der Schrei eines Tieres, der aus ihrem Mund dringt. Was auch immer, sie fühlt sich wunderbar.

 

Vor Mulder muss sie nichts verstecken. Würde spielt keine so große Rolle, nachdem er sie schon ganz am Boden erlebt hatte, in einem Krankenhausbett mit zu gepflasterten Augen und dann noch einmal in einem weiteren Krankenhausbett, ausgehöhlt vom Krebs. Er hat sie schon ihre Waffe auf ihn richten und abdrücken sehen. Er hat sogar erlebt, dass sie weint.

 

Sie kann alles sein, es ist egal. Er wird sie genauso lieben.

 

Ohne Vorbehalte.

 

Jetzt weiß sie, was das bedeutet.

 

 

Sie kriecht zurück zum Kopfende des Bettes und kuschelt sich in seine Arme. Mit einer Hand streichelt sie seine Brust, die von einem leichten Schweißfilm überzogen ist. "Guten Morgen," seufzt sie.

 

Er küßt ihr Haar. "Und was für ein schöner Morgen, mit Zimmerservice und allem drum und dran."

 

"Das ist toll," murmelt sie an seiner Schulter, der Schlaf droht sie zu übermannen.

 

"Scully?" Seine Stimme bringt sie dazu, ihre Augen wieder zu öffnen.

 

"Ja?"

 

Seine Hand streicht über ihre Wange. "Ich möchte, dass Du weißt, dass ich glücklich bin."

 

Sie lächelt und versteht die Folgen seiner Worte. Glück war für Mulder bisher immer ein trügerisches Gefühl. Es überrascht sie beinahe, dass er es überhaupt als solches erkennt. Sie küßt ihn flüchtig. "Ich auch."

 

Sein Magen wählt diesen Moment um sich mit einem lauten Knurren bemerkbar zu machen und sie piekt ihn in die Seite. "Hast du Hunger?"

 

Mulder lacht. "Ich weiß auch nicht, ich hatte mein Frühstück doch schon?"

 

"Wir könnten in die Küche gehen und uns Frühstück machen."

 

"Äh, Scully," er grinst verlegen, "die Speisekammer ist ziemlich leer, außer du möchtest Thunfish und Bier zum Frühstück."

 

Das ist typisch. Mulder weiß einfach nicht, wie man sich selbst gut behandelt. Bei dem Gedanken an ein Thunfisch-Sandwich rümpft sie die Nase. "Dann sollten wir lieber zu Michael's gehen."

 

Er gähnt. "Uh, das ist viel zu anstrengend."

 

Ihr Magen beginnt bei der Vorstellung von French Toast und eine großen Tasse Sumatra-Kaffee ebenfalls zu knurren. Sie zupft ihn an der Hand. "Komm' schon, Mulder, Zeit duschen zu gehen."

 

Er stöhnt aus tiefstem Herzen und setzt sich auf. "Zu zweit?"

 

Sie steht auf und versucht ihm vom Bett zu ziehen. "Es ist ein wichtiger Teil des Umweltschutzes, Wasser zu sparen," kontert sie.

 

In ihrem Badezimmer zu Hause befinden sich viele gutriechende Seifen und Shampoos anstatt der Schauma-Packung und einfachen Seife, aber mit Mulder zu duschen macht viel mehr Spaß, weil er ihr immer den Rücken schrubbt. Er genießt es, als sie ihm das Shampoo auf dem Kopf verteilt und sie muß lachen, als er Seife in dem Mund bekommt und wie wild anfängt sie auszuspucken.

 

Spaß, denkt sie, daran könnte ich mich gewöhnen.

 

Nach dem duschen klaut sie Mulder's Hemd, das er gestern abend getragen hat und schnuppert prüfend daran. Es riecht nach ihm, ein bißchen nach Schweiß, ein bißchen After Shave und ihr eigenes Parfum.

 

Er dreht sich um und lächelt bei ihrem Anblick, wie sie in seinem lächerlich großen Hemd vor ihm steht. "Das sieht sehr sexy an dir aus," sagt er.

 

"Es ist, als ob ich die Lederjacke meines Freundes tragen dürfe."

 

"Aha, die junge Dana Scully, auf der Tribüne beim Football-Spiel. Ich wette du warst sehr süß."

 

Sie verdreht die Augen. "Ich trug Zahnspangen."

 

"Ich auch, wir wären eine niedliches Paar gewesen."

 

Ungeduldig stemmt sie die Hände in die Hüften. "Gehen wir jetzt essen, oder wie?"

 

 

Seite an Seite gehen sie die vier Blocks bis zu Michael's Café. Hand in Hand zu ghen hieße, das Schicksal noch mehr herauszufordern, als sie es sowieso schon tun, aber es ist auch nicht wichtig. Sie könnte sich ihm nie näher fühlen, als sie es schon tut, nicht mal, wenn ihre Hände eng verschlungen wären. Sie trägt sein Hemd, dufted nach seiner Seife, ihr Körper scheint noch immer zu summen. Das ist genug.

 

Es ist einer dieser magischen Spätsommertage, an denen man keinen Pullover braucht und das Licht goldener als sonst erscheint. Menschen bevölkern die Gehsteige, versuchen alle, die letzten schönen Tage auszunutzen. Paare schieben Kinderwägen, Jogger rauschen vorbei und Hunde trotten gehorsam neben ihren Herrchen her. Ein schöner Tag und sie und Mulder sind ein Teil davon.

 

 

 

Scully hebt das Gesicht in die warme Sonne und grinst. Sie weiß jetzt, dass sie diese kurzen Augenblicke des Glücks genießen muss.

 

 

Bei Michael's nehmen sie einen Tisch im Straßencafé und lesen die vielfältige Karte. Hier zu frühstücken ist fast, wie Mulder zu lieben – welchen Genuss soll man wählen, wenn sie alle gleich verführerisch sind?

 

Der Kellner schlendert vorbei und sie geben ihre Bestellung auf. Blaubeer-Bananen Pfannkuchen für Mulder und Scully bleibt bei French Toast. In diesem Restaurant wird das Baguette über Nacht in einer Mischung aus Milch, Eiern und Grand Marnier eingeweicht, dass es in etwas verwandelt, dass mehr Brotpudding als French Toast ist. Beide bestellen gebratenen Speck und natürlich große, dampfende Becker starken Kaffees.

 

Das Essen ist in Rekordzeit da und Mulder macht darüber Witze, dass sie vielleicht einen Replikator in der Küche haben, so wie in Star Trek. Sie lacht so sehr, dass sie fast an ihrem Essen erstickt, was Mulder wiederum dazu veranlasst, selber zu lachen und sich zu verschlucken.

 

"Hey," sagt er, legt seine Gabel hin und sein Gesichtsausdruck wird ernst. "Ich liebe dich, Scully." Sanft streicht er ihre eine Locke aus den Augen.

 

Sie sagen sich diese Worte nicht oft, denn dass würde ihre Bedeutung nur schmälern.

 

Jetzt fühlt sie sich überraschend schüchtern und senkt die Augen auf ihren Teller. "Ich liebe dich auch." Im selben Moment läuft es ihr kalt den Rücken hinunter, bis in die Knochen. Ihre Mutter würde sagen, dass gerade ein Geist über ihr Grab gelaufen ist. Sie dreht sich um und sieht einen Mann die Strasse hinunter joggen. Einen großen, kahlen Mann.

 

Skinner.

 

Nein, dass kann nicht sein. Das würde heißen, er hätte sie hier mit Mulder gesehen.

 

Er sieht sie natürlich jeden Tag, aber das ist im Büro. Sie weiß, dass der Anblick von ihr, wie sie mit Mulder frühstückt, Skinner verletzen würde. Das ist das letzte was sie will.

 

Nein, er war es nicht, sagt sie sich. Ihr Verstand spielt ihr einen Streich, weil er damit nicht umgehen kann, dass sie glücklich ist.

 

Mulder schaut sie erschrocken an. "Was ist?" Fragt er.

 

Sie dreht sich zurück und lächelt. "Nichts," sagt sie, "gar nichts."

 

 

 

Nach dem Frühstück schlendern sie zurück die Strasse hinunter, voller Essen und Koffein, glücklich. Mulder berührt sie an der Schulter. "Was möchtest du heute machen?"

 

Sie lächelt und zuckt mit den Schultern. "Ich bin an Freizeit gewöhnt. Kino vielleicht?"

 

Sein Gesicht nimmt einen schelmischen Ausdruck an. "Ich könnte ein kleines Schläfchen vertragen."

 

Er denkt immer nur an das eine. Aber sie auch.

 

"Wer als erster bei dir ist," sagt sie.

 

Und sie rennen los.

 

ENDE