Hotel - Hotel

von Dasha K. (dashak@visi.com)

 

Deutsche Übersetzung von DanaK35 (DanaK35@yahoo.com)

 

 

 

Ich traf ihn in einem Hotel.

 

Ich traf ihn in einem Hotel.

 

 

"Sie haben den Anrufbeantworter von Agent Dana Scully erreicht. Ich werde bis 14 Uhr nicht zu erreichen sein. Sollte dies in Notfall sein, dann rufen Sie mich bitte unter meine Mobilnummer 555-3564 an."

 

 

Er ist schon auf dem Zimmer. Sie kann das Klirren der Eiswürfel im Kühler hören und ein Rascheln hinter der Tür. Den Schlüssel in der Hand, verhält sie einen Moment, bevor sie hineingeht.

 

 

So viele Hotels, so viele Motels. Super 8. Holiday Inn. Hyatt Regency. The Sunset Motor Court. Vornehme Hotels und schäbige Kleinstadtmotels mit Kakerlaken und ohne Fernsehen. Egal, welches, sie riechen immer leicht schimmelig, nach der Haut und Kleidung von Fremden.

 

Es sind nur gestohlene Stunden eines geschäftigen Tages. Sicherheit, hinter verschlossener Tür; das einfache Universum eines Bettes, eines Mannes, nur ein oder zwei freie Stunden in ihrem Leben. Es gibt keine Ablenkung in diesen Zimmern.

 

 

Oft lief er im Zimmer auf und ab, wenn sie ankam, blieb immer stehen, als sie die Tür öffnete, stand so gerade und groß, dass sie sich zwergenhaft vorkam. Noch immer eine militärische Pose, nach fast dreißig Jahren.

 

 

Der Check-In getrennt, eine halbe Stunde auseinander. Ebenso das Verlassen des Hotels. So war das immer.

 

 

Heute ist er scharf darauf, sie kann es daran erkennen, wie seine Lippen zurückgezogen sind, als ob er knurren wollte. Sie kritzelt den Name des Hotels auf eine Post-It und reicht es ihm, fühlt sich wie ein Neuling an der Uni. Er wirft einen Blick auf das Papier und lächelt sie an, zerreißt dann die gelbe Notiz in kleine Fetzen. Sie schämt sich nicht zuzugeben, dass es ihr ebenfalls danach ist zu knurren. Einen Finger erhoben. Ein Uhr, noch zwei weitere Stunden. Sie lachen beide in der Abgeschiedenheit ihres schäbigen Kellerbüros, lachen über die verworrenen Spiele, die zu spielen sie gezwungen sind. Man weiß nie wer zuhört.

 

 

 

 

Schlag' die muffige, geblümte Tagesdecke zurück um die sauberen, weißen Laken darunter zu enthüllen. Sie liebt den Anblick dieser Laken, das Versprechen, das sie prophezeien.

 

 

 

Sie schaute auf die Uhr. "Oh Gott, es ist fast 2:00, ich muß zurück."

 

Seine Finger berührten ihre Lippen. "Bleib!"

 

Sie schüttelte den Kopf. "Nein, ich muß gehen, ich habe ihm gesagt ich wäre beim Zahnarzt, eine Krone ersetzen lassen. Und ich erwarte die Reports aus der Toxikologie."

 

Eine Hand schloß sich um ihr Handgelenk und seine Stimme war fast flehend. "Geh' nicht."

 

Sie stand aus dem Bett auf und fing an sich anzuziehen.

 

 

Ein heißer, feuchter Nachmittag im August, versteckt in einem Comfy Inn irgendwo in der Mitte von Mississippi. Er lacht, als sie seine Füße kitzelt, seine Brust, seinen Bauch. Er setzt sich brüsk auf und schaut sie an. "Ich habe Spaß mit dir, Scully."

 

Spaß. Es ist wahr, erkennt sie, überrascht, sie haben Spaß zusammen. Sie können vergessen. Sie kitzelt ihn wieder, nur um zu hören, wie er in hilflosem Lachen vergeht.

 

 

Seine Augen waren dunkelbraun im Zwielicht der geschlossenen Vorhänge. "Bereust du es?"

 

Eine Erinnerung an Little Rock, wie er sich so schnell zu ihr begab und sie mit dem tiefsten Kuß gefangen nahm. "Ich tue nichts, dass ich bereuen müßte," flüstert sie.

 

 

Braunes Haar, gebettet auf weiße Laken, Schweiß rinnt über sein Gesicht. Es scheint, als ob sich die Klimaanlage entschlossen hätte Urlaub zu machen. Der Mann stöhnt auf, als sie mit ihrer Zunge an seiner Härte entlang gleitet. "Hör' nicht auf, hör' nicht auf, hör'---", murmelt er.

 

Sie hört auf.

 

"Miststück," stöhnt er und wirft sich in die Kissen zurück.

 

"Dein Problem ist, dass du so verdammt ungeduldig bist, sagt sie und fängt wieder an, bewegt ihre Zunge und Lippen zum Rhythmus seines Stöhnens.

 

 

 

 

Ein paar mal hatte er in letzter Minute absagen müssen. Sie war ins Zimmer gekommen und hatte es peinlicherweise leer vorgefunden. Ihr Mobiltelefon hatte zweimal geklingelt und sie erkannte das Signal. Sie hatte ihre hohen Schuhe abgestreift, und war aufs Bett gefallen, hatte an die häßliche, fleckige Wand gestarrt. 'Was tue ich hier?' Hatte sie sich gefragt. Seufzend hatte sie wieder ausgecheckt und war zurück ins Büro gefahren.

 

 

 

Im Westin-Hotel bemerkt sie, dass sie hier schon einmal gewesen war, in genau demselben Zimmer mit den altrosa Wänden und passenden Vorhängen, mit genau derselben Aussicht auf das Washington Monument. Nur damals war sie mit jemand anderem da. 'Macht mich das zu einer Schlampe?' Fragt sie sich grinsend. 'Nein, es macht mich menschlich.' Sie dreht sich um, um ihren Geliebten zu küssen und versucht den anderen aus ihren Gedanken zu verbannen, aber er bleibt im selben Raum mit ihnen beiden, ein unsichtbarer Beobachter, der die Begegnung mit Schuld färbt. 'Segne mich Vater, denn ich habe gesündigt. Ich habe den einen Mann für einen anderen verlassen.

 

Die Fingerabdrücke seiner Seele sind überall auf dem austauschbaren, französischen Bett, sie brandmarken sie mit der Erinnerung an graue Februarhimmel, draußen vor dem Fenster, als sie die Heizung aufgedreht hatten und unter die Decke geschlüpft waren. Starke, so starke Arme hielten ihren zitternden Körper umfangen, als er unvermittelt in sie eindrang, um sie rauh seinen Besitz zu nehmen.

 

Sie kann zugeben, dass sie ihn manchmal vermißt, sein tiefes, rumpelndes Glucksen. Seine breiten Schultern unter ihren Fingerspitzen. Seine ruhige Intensität.

 

 

Ihr Geliebter dreht sich um und berührt ihr Haar. "Scully, bist du in Ordnung?"

 

Sie schließt ihre Augen und lächelt. "Ich denke bloß nach."

 

 

Regen klopfte an die Fenster, in dieser zweiten gemeinsamen Nacht in Little Rock. Der Regen hörte während ihres ganzen Aufenthalts in Arkansas nicht auf, obwohl sie immer gedacht hatte, dieser Staat solle verhältnismäßig trocken sein. Das Holiday Inn, Pfefferminzbonbons auf dem Kissen, 'die Toilette zu Ihrem Schutz gereinigt', dort hatte sie ihren Beschützer gefunden, ihr Versteck.

 

"Manchmal möchte ich kündigen und einfach fort von all dem hier," sagte sie im dunkeln.

 

Er bewegte sich, stütze sich auf seinen Ellbogen. "Warum tust du es nicht?"

 

Sie stellte sich das Gesicht ihres Partners vor und schüttelte den Kopf. "Ich weiß es nicht," sagte sie leise. "Irgend etwas hält mich. Ich glaube ich bin genauso auf der Suche, wie er es ist. Es gibt Dinge, die ich wissen muß, bevor ich gehe." Über ihre Krebserkrankung, ihre Schwester, ihre Tochter.

 

In jenem Moment fragte sie sich, was ihr Partner in seinem Zimmer weiter unten am Gang wohl tat. Wen hatte er in einer solchen Nacht, um ihn zu trösten?

 

"Laß' mich," flüsterte er ihr zu, "laß' mich dir helfen, für eine Nacht zu vergessen."

 

Seine Hände fuhren methodisch an den Kurven ihres nackten Körpers entlang, als ob er sich ihre Form einprägen wollte. Sie erzitterte bei seiner Berührung.

 

 

 

Er schläft unruhig, dreht und wendet sich, stiehlt Decken und Laken, Todesträume ausfechtend. Manchmal schreit er Namen in namenloser Verzweiflung hinaus.

 

'Du kannst nicht jeden retten,' denkt sie. 'Du kannst uns nicht alle retten.'

 

 

 

Manchmal schlief er so tief, dass nichts ihn aufwecken konnte. Sie schüttelte ihn an der Schulter. "Wach' auf," sagte sie, "es ist nach 4:00. Du mußt aufstehen und zurück ins Büro." Er träumte glückselig weiter und sah so verletzlich aus ohne seine Brille.

 

 

Sie kam forschen Schrittes zurück zur Arbeit, ihre Absätze klickten auf dem Linoleumboden. Sie hing ihren Mantel auf und stellte ihre Aktentasche auf den Schreibtisch. Ihr Partner schaute nicht mal von dem Ordner auf, den er gerade las. "Wie war's beim Zahnarzt?" Murmelte er.

 

Sie zuckte mit den Schultern. "OK, Zahnarzt eben."

 

 

 

Einmal, da betrat sie ein Motelzimmer, voller grellfarbiger Ballons. "Einer, für jedes Mal, dass ich dich geliebt habe," sagte er, grinsend. Gott, wie untypisch das für ihn war. Ein Mann, der vor Liebe ein anderer wurde.

 

Sie lachte, wurde aber komischerweise verlegen, ob des Ausdrucks nackter Anbetung auf seinem Gesicht.

 

 

Ihr Geliebter gleitet in sie, hart. "Das ist Liebe," sagt er zwischen zusammengebissenen Zähne.

 

Während sie ihn härter in sich drückt, nickt sie. Das ist Liebe, sie versteht es jetzt. Endlich, hat sie Liebe gefunden.

 

 

Wie konnte ich widerstehen, fragt sie sich manchmal. Wie konnte sie die ganze Zeit bei ihm sein, und nichts über seine Hände, seinen Mund, seine vor Lust geschlossenen Augen wissen?

 

 

 

Er war spät dran, und so fing sie ohne ihn an. Sie konnte nicht anders, sie hatte den ganzen Tag an ihn gedacht, sogar, als sie während einer Autopsie das Skalpell schwang. Sie konnte spüren, wie sich sein Hals unter ihren Lippen anfühlt. Auf dem Bett berührte sie sich selbst, träumte von dem, was kommen würde. Als sie ihren Orgasmus auf den gestärkten Laken hatte, kam er herein, den Regen von seiner Stirn wischend. Er schaute sie an und ihr Gesicht wurde rot vor Scham. Er setzte sich neben sie, noch immer in seinem triefenden Regenmantel, und streichelte ihre erhitzte Brust, mit seinen kalten, nassen Fingerspitzen.

 

Sie streckte ihre Arme nach ihm aus.

 

 

 

Manchmal schläft sie kurz ein und erwacht, auf die austauschbaren Bilder von im Sturm geschüttelten Schiffen, starrend. 'Wo bin ich?' Kurzzeitig überkommt sie die Panik, ihr Herz schlägt wild, bis sie den Mann neben sich sieht.

 

 

Es ist ein kurzer Urlaub vom Leben. Im Badezimmer macht sie sich frisch, versucht die Spuren von Sex abzuwaschen. Sie fühlt sich erfrischt, verjüngt, bereit, die Waffe wieder aufzunehmen und den Kampf weiter zu kämpfen. Sie schlüpft in ihre Pumps und geht weiter.

 

 

Einmal, schafften sie es nicht mal bis zum Bett, sondern fielen auf den nüchternen, beigen Teppich. "Ich will dich jetzt," flüsterte er mit rauher Stimme und küßte sie, Brille noch immer auf der Nase.

 

Jetzt lächelt sie darüber, über das absurde Bild, das sie beide abgegeben haben müssen, der große Mann, noch immer im grauen Anzug und Krawatte, über der zierlichen Frau, deren Rock über ihre Hüften gerutscht war.

 

 

Die Sonne geht gerade unter, als sie zurück ins Motel kommen, müde von einem langen Tag unterwegs. Sie schließt die Tür hinter sich, das Zimmer ist irgendwie wie ein zu Hause, trotz des orange-farbenen Teppichs und der Wasserflecken auf der Tapete.

 

Sie löst seine Krawatte vom Kragen seines blauen Hemds. "Soll das ein Vorschlag sein?" Fragt er.

 

Manchmal glaubt sie, ihn irgendwie überrumpelt zu haben. Sie war so bekannt für ihre eisige, stoische Fassade, ihre Zugeknöpftheit, dass er es am Ende für die Wahrheit gehalten haben muß. Dana Scully ist frigide. Sie arbeitet nur und hat niemals Spaß, ich wette sie ist noch nie richtig gevögelt worden.

 

Das zeigt nur, dass man jemanden nicht kennt, bis man ihm nahe kommt. So nahe, dass man sich verbrennt, dass man sich verbrennt.

 

 

Nur ein paar auserwählte haben sie weinen sehen. Sie möchte nicht, dass man sie anders kennt, als stark, völlig in Kontrolle über alles. Ihre Mutter, Schwester und ihr Geliebter haben sie weinen sehen. Ihr ehemaliger Geliebter sah sie weinen, als sie ihm sagte sie würde ihn verlassen.

 

 

Eilig ziehen sie einander in der Kühle des Roadside Inn aus. Mäntel landen in beigen Haufen auf dem Boden, Jacketts fliegen auf den Stuhl. Sie grinst als ihre Waffengürtel und Waffen auf der billigen Kommode landen. Liebe im FBI, wie wahr.

 

Sie steht vor ihm, nur mit ihrem Höschen bekleidet, die Haut eine Gänsehaut. Sein Mund steht offen. "Manchmal vergesse ich."

 

"Was vergißt du?"

 

"Ich vergesse wie schön du bist."

 

Trotz der kühle des Raumes, errötet sie. Nein, er ist der, der unerhört schön ist, denkt sie, ihr Mann, ihr Geliebter, schon hart, bereit sie zu nehmen.

 

Ihre Zunge fährt die Kontur seiner vollen Unterlippe nach, zählt seine unteren Zähne. Er drückt sie auf das herabsinkende Bett und kniet vor ihr auf dem Fußboden. "Ich habe den ganzen Tag davon geträumt, dich zu schmecken," sagt er.

 

Sie schließt die Augen, ungeduldig auf seinen Mund wartend. Sie selbst hatte ebenfalls Schwierigkeiten, sich den ganzen Tag lang zu konzentrieren, während alles was sie wollte war, sich auf diesem billigen, häßlichen Bett auszubreiten und sein Gesicht zwischen ihren Schenkeln zu fühlen, wie er sie teilt so weit es nur geht.

 

Wir müssen uns wirklich zusammenreißen, denkt sie. Dies hier ist so unprofessionell. Andererseits macht ihr das schon lange nichts mehr aus.

 

 

 

Sie war beinahe eingeschlafen, als seine Stimme sie wieder zu Bewußtsein brachte. "Warum?" fragte er, "warum ich, Scully?"

 

Sie drehte sich auf den Bauch und stützte das Kinn auf ihre gekreuzten Arme. "Du hast mich gerettet. Du bist das Licht in meinem dunklen Leben."

 

Es war tief in der Nacht und sie saß am Fenster und beobachtete den langsamen Verkehr in Little Rock. 'Ich kann das nicht mehr,' dachte sie, 'ich kann den Tod nicht mehr riechen, den Gestank der mich umgibt.' Obwohl sie sich gründlich geduscht hatte, konnte sie es noch immer auf ihrer Haut riechen. Sie streckte den Arm aus und starrte auf die zarten Muster blauer Venen unter weißer Haut. 'Es wäre so leicht,' dachte sie. Es klopfte an der Tür.

 

Seine Stimme war gemessen, fast still, Monate später in einem anderen Hotelzimmer. "Jetzt, wo du gerettet bist, was wird passieren?"

 

 

Sie hatte darauf keine Antwort.

 

 

Sie steht auf, um sich anzuziehen und blickt auf ihren Geliebten, noch immer im Bett, auf der Seite liegend. Ihrer beider Sterblichkeit fällt ihr gerade jetzt auf und sie hebt den Kopf, zum Himmel, nimmt sie an. 'Gib uns Zeit,' ersucht sie leise, 'bitte trenne uns noch nicht.' Sie fragt sie, wie sie überleben könnte, jetzt wo sie endlich die Liebe kennengelernt hat.

 

 

Im überfüllten Gang, geht ihr ehemaliger Liebhaber an ihre vorbei, mit einem Nicken und einem gemurmelten Gruß. Sie steht da, in der Mitte des Gangs, nachdenklich. 'Ich wünschte ich könnte dir sagen, wie leid es mir tut.'

 

 

 

Mit dem Schlüssel in der Hand steht sie vor der Tür, innehaltend, bevor sie aufschließt. Für einen Moment vergißt sie, wer da drin auf sie wartet.

 

 

Sie blickt auf die Uhr und keucht, "Ich muß gehen, es ist fast 3:00."

 

Er dreht sich um und legt einen Arm über ihren Körper. "Bleib," flüstert er.

 

Sie setzt sich auf, das Laken gleitet von ihrem nackten Körper. "Ich kann nicht und du auch nicht. Wir haben stoßweise Arbeit, die auf uns wartet."

 

Ein feuchter Mund bewegt sich ihr Rückgrat entlang. "Bleib," wiederholt er.

 

Sie seufzt vor Lust und Ärger und sinkt zurück auf die Matratze.

 

 

Sie bleibt.

 

"Sie haben den Anrufbeantworter von Agent Dana Scully erreicht. Leider wurde meine Rückkehr ins Büro unweigerlich verspätet. Sollte es sich um einen Notfall handeln, rufen Sie mich bitte unter meiner Mobilnummer 555-3564 an."

 

Ich traf ihn in einem Hotel.

 

ENDE