Morgen, wunderschön und hell (Morning, Excellent and Fair)

von Dasha K. (dashak@visi.com)

 

Deutsche Übersetzung von DanaK35 (DanaK35@yahoo.com)

 

 

"Als ich aufwachte, war es früher morgen. Ich lag da und schaute zum blaugrünen Himmel auf, der einen durchsichtigen Nebelschleier trug, wie kleine kristallene Himmelskörper, einsam und heiter, schien Venus durch den Dunst über dem ruhigen Meer…

Dies war nicht der Tag des jüngsten Gerichts – nur der Morgen: außerordentlich und hell." –William Styron

 

 

Skinner hat eine Lieblingstheorie, eine, an die er denken muß, als er sein Auto auf dem Parkplatz des Safeway-Supermarktes abstellt: ein Mann ahnt es meist nicht, wenn sein Leben kurz davor steht, sich zu ändern. Er weiß auch nicht, warum er gerade jetzt daran denkt. Es kam ihm einfach in den Sinn, als er rückwärts zwischen zwei klotzigen Minivans parkte.

 

 

Er ahnte damals nicht, als er in der Filiale der First Bank in Minneapolis Schlange stand, dass er seine zukünftige Frau treffen würde. Er hatte keine Ahnung, dass sie eine Hochzeit mit zweihundert Gästen haben würden, dass sie Häuser miteinander kaufen und verkaufen würden, dass er so viele Nächte neben ihr liegen würde und dass es eines Wintertages vor einem Anwalt enden würde. Nein, er stand da, trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen und bemerkte, dass die Frau hinter ihm, die in dem Kamelhaarmantel, ein liebliches Lächeln hatte.

 

Und in jener Nacht, als er in die Hotelbar geschlichen war um einsam einen Drink zu nehmen, da hatte er nicht geahnt, das diese gesprächige, hübsche Blondine eine Falle war. Als er tief in ihre gefälligen Tiefen eingedrungen war, hatte er gedacht dies wäre ein seltener Moment der Freude in seinem Leben. Er ahnte auch nicht, dass sich alles ändern würde, als er sie neben sich liegen sah, ihr Genick auf grausame Weise gebrochen.

 

Und er dachte ganz sicher nicht, dass er und Dana Scully in jener Nacht Liebende werden würden, als er nach Little Rock geflogen war, um mit einer Katastrophe im FBI fertig zu werden. Es kam ihm nicht mal in den Sinn, als er den Aufzug bestieg und dann an ihre Zimmertür klopfte.

 

Er ahnte nicht, dass er am nächsten Morgen verwandelt aufwachen würde, verwandelt in einen Mann, der völlig in eine Frau verliebt war, die er nicht haben konnte.

 

Er hatte keine Ahnung gehabt, dass man, nur durch die Tatsache dass man verliebt ist, ein komplett anderer Mensch werden kann.

 

 

 

 

 

Jetzt schreitet er in den Supermarkt, der nach frischem Brot und gewachsten Früchten riecht und schnappt sich einen der Einkaufswagen, bevor er sich daran macht, die Geheimnisse der Gemüseabteilung zu erkunden. All das wegen eines zwei-zeiligen Emails dass er heute morgen erhalten hatte.

 

"Heute abend bei mir? Wenn du kochst, wasche ich ab," hatte es gelautet.

 

Seine Antwort war genauso kurz gewesen. "Um sieben."

 

Sein Herz hatte sich ob der Häuslichkeit ihres Emails erwärmt. Es hörte sich so normal an, als ob es Gewohnheit wäre, sich nach der Arbeit zu treffen und ein gemütliches Essen miteinander einzunehmen. Als ob sie jeden Abend miteinander einschliefen, gemeinsam aufstünden und den neuen Tag in der Gesellschaft des anderen zu beginnen.

 

In Wahrheit, denkt Skinner als er eine Mango in der Hand drückt um zu sehen, ob sie reif ist, in Wahrheit kann ich die Nächte die wir gemeinsam bis zum Morgen verbracht haben an zwei Händen abzählen. Und das in acht Monaten.

 

Aber heute ist eine solche Nacht und er erzittert vor Erwartung und wegen der übermäßig kalt eingestellten Klimaanlage.

 

 

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Sie bereitet die Wohnung für seine Ankunft vor. Frische Blumen, einfache Margeriten dieses Mal, kommen in eine Vase. Die Laken werden vom Bett abgezogen und ein neues darauf gemacht – blass blau mit weißen Punkten. Sie fühlt sich wie ein Dieb, als sie das Telefon abstellt.

 

Es ist sicher, heute Nacht ist es sicher, denkt sie. Ihr Partner ist in New York, wo er auf einer Konferenz eine Rede halten soll.

 

Und dann sieht sie in den Spiegel, und beschließt, dass sie es satt hat zu lügen, wenn auch nur durch Unterlassung. Sie hat noch nie gerne gelogen.

 

 

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Scully weiß, dass er es liebt zu kochen und es auch viel besser beherrscht als sie. Heute abend will er endlich Paella machen, ein langwieriges und ziemlich schwieriges Unterfangen, das er auf seiner Hochzeitsreise gelernt hat.

 

 

Er und Sharon hatten fünf Tage in einem Dorf in Spanien verbracht, dessen Name Asunción gewesen war. Ihre Pension war charmant-runtergekommen und im Besitz eines jungen Paares mit Namen José und Pilar Garcia. Sharon und Walter verbrachten jene Tage damit, auf den Kopfstein gepflasterten Strassen der kleinen Stadt spazieren zu gehen, viel Wein bei verschiedenen Weinproben zu trinken und dem Quietschen des rostigen Bettes zu lauschen, in dem sie die Liebe der frisch verheirateten genossen.

 

Eines Abends hatten ihre Gastgeber sie zu Paella eingeladen. Im Hof des Hauses, schlürften sie Sherry und hörten aufmerksam zu, wie José die Regeln des Paellakochens erklärte. Erstens, eine echte Paella sollte immer von einem Mann zubereitet werden, und zwar draußen, über einem Feuer mit Holz aus Weinreben. Zweitens, Paella sollte zwölf Zweigchen Rosmarin oder zwei Schnecken enthalten. Er und Sharon hatten sich verwirrt angeschaut und Pilar hatte geduldig erklärt, dass die Schnecken, die in diesem Teil von Spanien für die Paella verwendet wurden, mit Rosmarin gefüttert wurden uns so dem Reis mit dem Geschmack der Kräuter anreicherten. Die dritte Regel war, das Paella in der Region um Valencia nicht mit Meeresfrüchten, sondern mit Hase und Hühnchen gemacht wurde.

 

 

Skinner lächelt bei dieser Erinnerung. Natürlich gibt es hier bei Safeway keinen Hasen, und er wird sicherlich keine Möglichkeit haben, seine Paella draußen zu kochen, da Scully nicht mal einen Garten hat. Zum Glück hat ihm Pilar ein Rezept für eine einfachere, wenn auch weniger authentische Meeresfrüchte-Paella gegeben, von der sie geschworen hatte, dass sie ebenso gut sei, wie die ihres Mannes. Nach ihrer Rückkehr in die USA hatten er und Sharon die Paella gekocht und sie wundervoll gefunden. Immer, wenn sie sich wieder an die kleinen Freuden ihrer Hochzeitsreise erinnern wollten, hatten sie den großen Suppentopf hervorgeholt und Paella gekocht.

 

Jetzt möchte er Scully daran teilhaben lassen.

 

 

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Beim Aufräumen findet sie etwas zwischen den Sofakissen. Sie zieht daran und erkennt, dass es ein dunkelblaues Sweatshirt ist. Mulder's Sweatshirt. Er muß es mitten in der Nacht ausgezogen haben, als er in der vorherigen Nacht auf ihrer Couch geschlafen hatte. Sie faltet es sorgfältig zusammen und verstaut es auf dem obersten Regal des Flurschranks, dem Drang daran zu riechen widerstehend. Allerdings braucht sie das nicht, sie weiß, wie Mulder duftet.

 

Mietwagen, Verhörräume, Fastfood Restaurants, sterile Krankenhauszimmer und überfüllte Flugzeuge. Sie ist immer von seinem Duft umgeben.

 

Aber nicht heute Nacht. Heute Nacht ist für Skinner.

 

 

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Die Meeresfrüchte sehen in dem großen gläsernen Kasten äußert verdächtig aus und Skinner entscheidet sich, auf seinem Weg zu Scully bei Coastal Seafood anzuhalten.

 

 

 

 

Umgeben von jungen Müttern mit Babys, fühlt sich Skinner entschieden fehl am Platz, als er seinen Wagen die Gänge entlang schiebt. Über das Soundsystem schallen einschläfernde Klänge und er versucht, die Light-Version von "The Impossible Dream" nicht zu hören.

 

Er konzentriert sich nicht wirklich auf den Einkauf, als er nach einer Packung Arborio-Reis greift. Er funktioniert automatisch, seine Gedanken bei der bevorstehenden Nacht.

 

Die Zeit mit Scully ist immer geborgt oder gestohlen. Er würde sofort gefeuert werden, wenn der Direktor wüßte, wie viele Male er das Büro für angebliche Meetings verlassen hat, nur um in irgendein abgelegenes Hotel oder Motel zu fahren um ein paar Stunden mit ihr zu verbringen. Ein paar gesegnete Nächte haben sie gemeinsam in seinem Apartment verbracht. Und eine Nacht, halb betrunken nach Darlene Simons Hochzeit, ist er Scully nach Hause nachgefahren und hatte an ihre Türe geklopft. Sie hatte ihn überrascht angeblinzelt und sanft daran erinnert, warum es nicht gut war, sich in ihrer Wohnung zu treffen, aber sie hatte ihn in ihr Bett mitgenommen. Noch bevor es hell wurde, hatte er sich davongestohlen und war heim gefahren, während er sich die ganze Zeit all die Gründe ins Gedächtnis gerufen hatte, warum er nichts mit einer seiner Agentinnen hätte anfangen sollen.

 

Obwohl er es möchte, hat er es nie gewagt, sie um einen Transfer zu bitten. Er weiß, wie verpflichtet sie sich den X-Akten fühlt. Aber das hält ihn nicht ab, davon zu träumen wie es wäre, wenn sie es tun würde und sie so zusammen sein könnten, wie jedes andere Paar auch.

 

Und, obwohl er in einem Supermarkt ist und seinen Einkaufswagen füllt, während kleine Kinder nach Keksen jammern, hört er nicht auf daran zu denken, wie die heutige Nacht mit Scully werden wird.

 

Er fragt, sich wie sie heute abend sein wird. Wird sie die sanfte, liebevolle Scully mit zarten Händen und langsamen Küssen sein? Oder wird sie wild und heiß sein, sich auf den Laken winden und mich darum bitten sie endlich zu nehmen?

 

Für einen Moment erlaubt er sich, davon zu träumen, wie es wäre, wenn sie sich in der Öffentlichkeit zeigen könnten. In einer Fernfahrerkneipe irgendwo auf dem Land, verraucht, schmutzig, die Musik von den Stones dröhnt. Oder vielleicht das langsame, aufreibende "Angie". Scully ist eine andere, in hautengen Jeans und einer roten Bluse, die über dem Bund zusammengebunden ist, so dass man ihren Nabel und die Rundung ihrer Brüste sehen kann, wenn sie sich bückt um Billard zu spielen. Ihre Lippen sind rot und voll, der Lippenstift leicht verschmiert vom küssen und vom trinken. Ihre schmalen Hüften bewegen sich zur Musik und sie zieht eine Augenbraue hoch und schaut ihn an, während sie einen Schluck Whiskey nimmt. Er hält es nicht mehr aus. Er nimmt sie am Arm und drängt sie hinaus in die kühle Nachtluft des Parkplatzes. Er presst sie gegen das Auto, seine Zunge erkundet sie Alkohol getränkten tiefen ihres Mundes, während er mit den Knöpfen seiner Hose kämpft. Er ist so hart, dass er es kaum mehr aushalten kann und er keucht, als er sich endlich aus der engen Jeans befreit. Skinner hebt sie hoch - Gott sie ist so leicht – auf die Motorhaube des Autos und nestelt an ihren Jeans. Jeder könnte sie sehen, sie könnten sogar verhaftet werden, aber daran denkt er nicht, als er in ihrer erstaunlichen Hitze versinkt. "Du gehörst mir," knurrt er nahe an ihrem Ohr und sie schaut zu ihm auf, in ihren Augen leuchtet das Mondlicht und sie nickt. Sie gehört ihm, sie gehört ihm.

 

Skinner findet sich in der Fleischabteilung wieder, über seinen Einkaufswagen gebeugt, schwer atmend und sehr verlegen. Eine alte Frau im schäbigen Hauskleid wirft ihm einen befremdeten Blick zu und er strafft die Schultern und nimmt einen strengen, geschäftsmäßigen Gesichtsausdruck an. Er ist so erregt, dass sein Schwanz förmlich darum fleht, befreit zu werden. Oh Gott, hoffentlich hat es niemand bemerkt. Er wünscht sich, es wäre kalt genug, um einen leichten Mantel zu tragen, aber es ist Juli und er trägt nur ein schwarzes T-Shirt, dass nicht gerade viel verhüllt. Seufzend schiebt er seinen Wagen in die Gefriergutabteilung. Die kalte Luft dort, wir ihm sicher nicht schaden.

 

 

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Es fällt ihr schwer, etwas zum anziehen zu finden. Einmal nur möchte sie sexy sein, feminin und weich. Jeans sind nicht gut und einer ihrer Anzüge ist auch nicht passend, sogar ihre Röcke sind geschneidert und streng. Und dann erinnert sie sich an etwas, was ganz hinten in ihrem Schrank hängt, an das Kleid, das sie sich bisher nicht traute anzuziehen. Heute Nacht fühlt sie sich mutig genug.

 

Und ihr Herz schlägt wild und sie weiß nicht recht ob es Angst oder Erwartung ist, das sie fühlt.

 

Obwohl sie es sich noch nicht eingestehen kann, weiß sie, dass sie eine Entscheidung treffen muss, und zwar bald. Skinner's Augen blicken sie immer suchend an, als ob er darauf warten würde, dass sie etwas sagt, sich ihm erklärt.

 

Sie verübelt ihm das. Er hätte sich nicht so in sie verlieben dürfen.

 

In Wahrheit war es die vergangene Nacht, die die Dinge geändert hat. Sie hat einiges in sich und Mulder erkannt, mit dem sie lange Zeit unwillig oder unfähig war umzugehen.

 

Letzte Nacht konnte sie sehen, wie die eisige Schicht, die sich zwischen ihnen gebildet hatte, wieder schmilzt.

 

Sie beginnt sich Selbst zu hassen, ein klein wenig.

 

Sie wirft einen Blick auf die Uhr in der Küche. Er wird bald da sein. Sie sehnt sich nach seiner Berührung, sie muß ein paar Stunden in seiner Gegenwart verbringen. Aber was braucht er? Sie weiß es. Oh ja, sie weiß es. Er braucht alles.

 

Und sie kann es ihm nicht geben, so gerne sie es auch möchte.

 

 

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Er summt vor sich hin, während er mit den Einkaufstüten im Arm, den Gehsteig zu ihrem Gebäude entlang geht. Total untypisch für ihn. Walter Skinner summt unter keinen Umständen vor sich hin. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen.

 

Vielleicht ist es auch einfach die Tatsache, dass Scully diesmal den ersten Schritt getan hat. Sonst ist er immer derjenige, der die Initiative ergreift, der die Pläne für sie beide macht. Sie sagt fast immer ja und sie scheint sich auch jedes Mal zu freuen, aber es geht immer von ihm aus.

 

Sie öffnet die Tür gleich nach seinem Klopfen, als ob sie dahinter gewartet hätte.

 

Als er sie sieht, als er sieht was sie trägt, läßt er beinahe die Tüten fallen.

 

Er hat sie nur ein paar Mal in einem Kleid gesehen. Schließlich habe weibliche FBI Agenten selten Gelegenheit Kleider zu tragen, es gibt ja nicht einmal einen FBI Ball oder ähnliches. Scully trägt ein ärmelloses, dunkelblaues Kleid, dass aussieht, als ob es aus Baumwolle ist. Es geht ihr bis an die Knöchel und umschmeichelt ihre Figur, obwohl es nicht eng ist. Sie lächelt ihn an und dreht sich um, um in die Wohnung zurückzugehen. Er keucht noch einmal als er erkennt, dass das Kleid hinten nur von sechs dünnen Schnüren gehalten wird, die gebunden werden. Oh Gott, wird sie sauer sein, wenn ich die Taschen hinwerfe und sie gleich hier im Eingang nehme? Er kann die vielfarbige Schlange auf ihrem Rücken sehen, wie sie ihn lockt, indem sie erscheint und wieder verschwindet, genau da, wo das Kleid wieder anfängt.

 

Heute Nacht ist er in Schwierigkeiten.

 

Skinner schafft es, sie zu begrüßen, zu küssen und die Lebensmittel im Kühlschrank zu verstauen.

 

"Was gibt es?" Fragt sie, am Küchenschrank lehnend.

 

"Paella," sagt er, sein Mund ist trocken. Dankbar nimmt er das Bier, das sie ihm hinhält und trinkt einen großen Schluck.

 

"Hört sich lecker an." Sie lächelt wieder. "Magst du das Kleid?"

 

"Oh ja." Seine Worte werden zusammenhanglos. "Wo hast du es her?"

 

"Weißt du, eigentlich passt es nicht zu mir," sagt sie und wird rot. Ihr Haar liegt in seiner natürlichen Form, weichen Wellen. "Meine Schwester hat es mir vor vier Jahren zum Geburtstag geschenkt. Ich glaube sie wollte mir damit sagen, dass ich nicht oft genug freizügige Klamotten trage."

 

"Ich finde es toll."

 

Dann kann er es nicht mehr ertragen, er zieht sie an sich, seine Hände auf der weichen Haut ihres Rückens, während er die Schnüre entwirrt.

 

 

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Das ist besser, denkt sie. Wenn sie so mit ihm zusammen ist, dann muß sie nicht denken, muß nicht darunter leiden, ob dies ein riesiger Fehler ist, oder nicht. Alles beschränkt sich auf seine Hände, seine rauhe Stimme und die Lust seiner langsamen, forschenden Küsse.

 

Das Kleid fällt in seinen Händen auseinander und er berührt ihre Brüste mit den Fingerspitzen, findet die Punkte, die er inzwischen so gut kennt. Skinner schiebt sie aus der Küche heraus und sie fallen auf einen der Stühle.

 

Später wird Zeit genug für langsamen Sex sein. Jetzt gilt es nur das wilde verlangen sofort zu stillen. Sie muß ihm seine Hose ausziehen und ihre Hand um die den unmöglichen Umfang seines Glieds zu legen.

 

Die Jeans sind über seine Knie gerutscht, ihr Höschen liegt auf der Armlehne des Stuhls und sie küßt ihn, wagt es nicht, seine Lippen loszulassen, als er mit einem heftigen Stoß in sie eindringt.

 

Oh, so gut.

 

 

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Verschwitzt und völlig zerzaust wanken sie ins Bad und unter die Dusche. Ihm ist noch immer schwindelig und er kann sich nicht einmal daran erinnern, ob er jemals mit Scully geduscht hat. Aber jetzt tut er es, steht hier unter dem warmen Wasserstrahl und läßt sich von ihr mit ihrer Mandelseife den Rücken einseifen, während sie ihn immer weiter küßt, als ob sie sich noch immer lieben würden.

 

Und so ist es auch. Er möchte mehr und immer mehr, bis sie kaum mehr stehen bleiben können.

 

Skinner verteilt überall auf ihrem zierlichen Körper Seife. Ihm genießt es, dass ihre Haut glatt und schlüpfrig geworden ist und die Art wie sie keucht, als er ihre geschwollene Klitoris mit den Fingerspitzen berührt. Er sinkt auf die Knie und taucht mit der Zunge zwischen ihre nassen Locken. Sie schmeckt ein bißchen nach Seife und irgendwie nach Marzipan, als er sie mit der Zunge erkundet. Scully klammert sich an der Stange fest und stöhnt weiter, bis er hoch schaut und sieht, wie die Ekstase sich über ihr Gesicht ausbreitet, genau wie der Strahl der Dusche.

 

 

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Wenn nur jeder Moment in ihrem Leben so sein könnte, das Gefühl des Fliegens, frei sein von allen Fesseln, von der Suche, die sie verfolgt, der Wahrheit, die ihr und Mulder immer wieder ausweicht. Sie müsste nicht darüber nachdenken, dass sie eine Tochter verloren hat, und keine zweite haben wird, sie müsste nicht darüber nachdenken, dass ihre Schwester an einer Kugel verblutete, die für sie bestimmt war.

 

Sie müsste nicht ernsthaft sein, oder logisch oder gequält.

 

Mit Skinner muß sie über all diese Dinge nicht nachdenken. Sie kann der nüchternen und erschreckenden Realität ihres Lebens entfliehen. Sie reden, sie lachen, sie essen gemeinsam und lieben sich. Es ist eingeschränkt aber doch schön. Sie muß nicht denken.

 

Aber vielleicht sollte sie.

 

 

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Sie glühen noch immer, als sie in der Küche stehen, er nur mit Shorts bekleidet und sie in ihren blau-weiß gestreiften Bademantel gehüllt. Sie beugt sich über den Küchentisch um Zwiebeln zu schneiden und er bewundert den rosigen Glanz ihrer Haut. Manchmal ist sie einfach zu blass. Skinner erinnert sich gut daran, als sie so verdammt krank war, dass ihre Haut diesen erschreckenden, blaugrünen Ton annahm. Jetzt ist sie gesund, strahlend in der Hitze der Küche, rosig durch seine Berührung.

 

Er nimmt die Shrimps aus dem Kühlschrank und beginnt mit der mühsamen Aufgabe, die Därme zu entfernen. Jessye Norman ertönt mit "Carmen" aus der Stereoanlage und trägt dazu bei, dass es ihm wie Spanien vorkommt, er fühlt sich warm und geborgen. So könnte es sein, wenn sie miteinander leben würden, wenn sie ein Haus in einer ruhigen Gegend und vielleicht einen Hund hätten. Und vielleicht, nur vielleicht… Er erlaubt sich, zu träumen, wie er mit Scully im Bett liegt, seine Hand auf ihrem Bauch, in dem ihr Kind heran wächst. Skinner mag diese Vorstellung fast zu sehr. Sharon hatte nie Kinder gewollt und hatte ihm das von Anfang an klar gemacht. Und er hatte zugestimmt, hatte sich ihr gemeinsames Leben nicht mit Kindern vorstellen können. Trotzdem ist er überrascht, dass er sich diese Dinge mit Scully vorstellen kann, ja sogar davon träumt.

 

Vielleicht deswegen, weil das nie geschehen wird.

 

Wenn er wie jetzt die Kontrolle verliert, zu stark zu träumen anfängt, dann muß er sich immer daran erinnern, was Scully ihm in ihrer ersten gemeinsamen Nacht gesagt hat.

 

"Ich kann dir nichts versprechen, Skinner," hatte sie gesagt.

 

Sein Messer schneidet geschickt in die Bäuche der Shrimps, um die dünnen, schwarzen Gedärme zu entfernen. Er schaut zu Scully hinüber, die jetzt die Zwiebeln in Olivenöl dünstet und sie schaut auf und wirft ihm einen einzigen, durchdringenden Blick zu. Ihre Augen wirken groß und gehetzt in ihrem Gesicht.

 

'Ich kenne sie überhaupt nicht,' denkt er und der Schweiß bricht ihm wieder aus. 'Alles was ich meine, über Scully zu wissen, ist nur Phantasie. Ich habe sie darin zur Frau meiner Träume gemacht.'

 

Er weiß, dass er sie idealisiert, sie zu dieser perfekten Traumfrau macht. Wenn er sich davon befreit sieht er, dass sie manchmal humorlos ist, logisch zu dem Punkt, wo es schon pedantisch ist.

 

 

 

Und dann ist da noch ihr größter Fehler, der, an den er nur alleine, spätabends und mit einem Drink in der Hand denken mag. Es gibt nur eine einzige Person, der Dana Scully wirklich vertraut. Und diese Person ist nicht er.

 

Er verdrängt den Gedanken daran, wie sehr er das haßt.

 

Skinner kehrt wieder zu seiner Aufgabe zurück. Jetzt ist nicht der rechte Zeitpunkt um in den dunklen Tiefen seiner Seele zu kramen. Es muß genug sein, dass er hier in ihrer Küche ist, sein Körper noch immer glühend von ihrer Vereinigung und dass sie hier stehen und Paella kochen.

 

 

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Obwohl sie sich über die Zwiebeln beugt, kann sie spüren, wie er sie beobachtet, und die kleinen Haare in ihrem Nacken stellen sich auf.

 

Und als sie sich zu ihm umdreht, erkennt sie nackte Anbetung in seinem Gesichtsausdruck.

 

Oh, du kennst mich nicht, denkt sie, Skinner du kennst mich kein bißchen.

 

Das ist natürlich ihre Schuld. Außer in dieser einen Nacht in Little Rock, hat sie nie sehr viel von sich preisgegeben. Ein paar sichere Kleinigkeiten, Geschichten aus ihrer Kindheit und Studentenzeit.

 

Er weiß jedoch nichts über ihren Schmerz und die Stiche. Soviel sie weiß, hat er nicht einmal eine Ahnung, dass sie niemals Kinder haben kann. Nachdem ihre Affäre ungefähr einen Monate dauerte, und die Ergebnisse des Testes in Ordnung gewesen waren, hatten sie aufgehört Kondome zu benutzen. Er hat sie nie nach Verhütung gefragt und sie hat ihm nie gesagt, dass das nicht einmal notwendig ist.

 

Es ist ungerecht. Es ist ungerecht und es muß aufhören. Er freut sich auf die Zukunft und sie lebt nur jeden Tag für sich. Sie weiß nicht, wie sie in eine Zukunft mit Skinner schauen soll.

 

Sie erschreckt sich, als etwas klappernd zu Boden fällt. Es ist der hölzerne Löffel, mit dem sie die Zwiebeln gerührt hatte. Als sie sich danach bückt denkt sie, dass sie ihn noch umbringen wird, wenn sie so weitermacht.

 

"Bist du in Ordnung?" Fragt er und sie steht wieder auf.

 

"Mir ist bloß etwas runtergefallen."

 

Sie möchte, und sie möchte nicht und sie weiß nicht, was sie tun soll.

 

 

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Um zehn ist die Paella endlich fertig und Scully breitet eine blaue Decke vor dem Kamin im Wohnzimmer aus. Es ist Juli, deshalb ist ein Feuer zu seinem großen Bedauern ausgeschlossen. Scully eine CD der Gypsy Kings in den CD-Player und sie singen traurige Balladen von Liebe in rauhem Spanisch.

 

Skinner öffnet eine Flasche Rioja und nimmt sie mit ins Wohnzimmer, wo sie es sich auf der Decke gemütlich machen, ihre Schüsseln mit gelben Reis und Meeresfrüchten in den Händen.

 

"In Spanien ist dies immer noch recht früh fürs Abendessen," sagt er und öffnet eine Venusmuschel.

 

Sie grinst. "Was für ein Leben, nachts zu leben. Ich bin noch nie in Spanien gewesen."

 

Er möchte sie einladen, mit ihr hinzufahren, eine Woche oder zwei auf dem Land. Im Herbst, wenn die meisten Touristen bereits wieder zu Hause sind.

 

Scully ist heute Nacht besonders undurchsichtig. Es fällt ihm schwer sie einzuschätzen, wenn sie nicht miteinander im Bett sind, aber trotz des Lächelns und der netten Unterhaltung fühlt er, wie sich ein Sturm in ihr zusammenbraut. In Momenten wie diesem möchte er sie an den Schultern packen, sie schütteln und anschreien: "Rede einmal mit mir, verdammt noch mal!"

 

Skinner beobachtet, wie sie mit geübten Händen den Schwanz eines Shrimps abschält und ihm hinhält. Ihre Fingerspitzen sind goldgelb vom Safran. Er nimmt das kleine Stückchen Shrimp in den Mund und genießt den starken Geschmack von Knoblauch und Olivenöl.

 

Ich möchte es wissen, denkt er, und deswegen fragt er: "Wer war deine erste Liebe, Scully?"

 

Sie schluckt ihren Wein mit einem seltsamen Gesichtsausdruck, einer Mischung aus Befremden und Vergnügen und zuckt mit den Schultern.

 

"Du hast keine Antwort?" Sie ist Mitte dreißig, sie muß eine erste Liebe gehabt haben.

 

Scully spießt eine Jakobsmuschel mit ihrer Gabel auf. "Wer war DEINE erste Liebe?"

 

Aha, sie beantwortet eine Frage mit einer Frage. Er lächelt. "Ihr Name war Stephanie. Sie war gewissermaßen das Nachbarsmädchen, lebt mir gegenüber und wir gingen gemeinsam zur High School. Ich habe ihr sogar die Bücher nach Hause getragen."

 

"Das ist nett."

 

"Und jetzt deine erste Liebe?"

 

"Zählt David Cassidy?"

 

Skinner's Augen verengen sich. "Komm' schon, ernsthaft."

 

 

"Kannst du mir eine empirische Definition von Liebe geben?"

 

Muss sie immer die Wissenschaftlerin sein? "Nein, man weiß es einfach."

 

"Ich brauche Fakten," sagt sie und stellt ihren Teller auf die Decke.

 

"Das habe ich schon gemerkt," sagt Skinner trocken. "Aber du hast doch einige ernsthafte Beziehungen gehabt, oder?" Ist es anmaßend von ihm, diese Dinge zu fragen?

 

Sie nickt. "Natürlich. Ich habe ein paar Beziehungen im College und während des Medizinstudiums gehabt, aber die letzte ernsthafte war damals, als ich in Quantico unterrichtet habe."

 

"Wer war er?" Er fürchtet, dass er jetzt wohl doch zu weit geht.

 

"Es kann sein, dass du ihn sogar kanntest. Jack Willis."

 

Skinner starrt sie mit offenem Mund an. "Sicher habe ich ihn gekannt, ich habe mit ihm ab und zu Golf gespielt."

 

Scully und Jack. Diese Neuigkeit sagte ihm einiges über ihre Zuneigung zu ihm selbst. Ein älterer Mann, eine Authoritätsperson. Ganz klar.

 

"Er war ein guter Mann." Sie lächelt. "Aber es hat nicht funktioniert."

 

"Warum nicht?"

 

"Er wollte heiraten und ich nicht. Er wollte, dass ich in Quantico bleibe, wo ich sicher bin und ich wollte raus in den Außendienst. Wir hatten gegensätzliche Ziele."

 

Skinner findet es interessant, dass er nicht der einzige Mann auf der Welt ist, der gegenüber Scully Beschützerinstinkte entwickelt hat. Sie ist zierlich und erscheint so zerbrechlich, dass man leicht vergißt, wie hart und fähig sie in Wirklichkeit ist. Aber er hat sie im Außendienst erlebt und weiß, dass sie tief drinnen aus Stahl gemacht ist. Aber es ist schwer sich daran zu erinnern, wenn sie im Bademantel vor ihm auf dem Wohnzimmerboden sitzt, und Wein trinkt.

 

"Hat dir jemals jemand das Herz gebrochen?"

 

Und wieder beantwortet sie seine Frage, mit eine Frage. "Und dir?"

 

"Ja, Stephanie. Wir haben uns verlobt, bevor ich nach Vietnam mußte und als ich nach meiner Dienstzeit zurückkam, war sie von einem anderen Mann schwanger."

 

Sie schaut ihn voller Mitgefühl an und berührt seine Hand. "Das tut mir wirklich leid."

 

"Na ja, ich habe eine Weile gebraucht, um darüber hinwegzukommen, aber es war das Beste so. Und nun zu dir und den gebrochenen Herzen."

 

 

"Ich bin schon fallengelassen worden, wenn du das meinst." Sie schenkt ihnen beiden mehr Wein ein.

 

 

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Ethan's Gesichtsausdruck, als sie aus Idaho zurückgekehrt war, voller Enttäuschung und Bestürzung darüber, dass sie seinen Geburtstag verpaßt hatte. Und alles war so gut gelaufen, die Beziehung hatte zwar erst sechs Monate gedauert, aber sie hatte sich schon gefragt, ob sie vielleicht den trügerischen "einen" gefunden hatte.

 

Aber sie fand heraus, dass er nicht damit leben konnten, wenn er von mitternächtlichen Anrufen Mulder's in seinen Zärtlichkeiten unterbrochen wurde, dass er es nicht ertragen konnte, allein zu bleiben, wenn sie durchs Land fliegen mußte, um Lichtern am Himmel nachzujagen.

 

"Es wird einfach nicht funktionieren, Dana," hatte er am Ende gesagt, hatte sein Jackett von der Couch genommen und sich zum gehen gewandt. "Es tut mir leid."

 

In jener Nacht weinte sie nicht. Stattdessen saß sie mit unterschlagenen Beinen auf dem Bett und zwang sich, nicht zu weinen.

 

 

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"Fallengelassen zu werden ist nicht dasselbe, wie ein gebrochenes Herz, Scully."

 

Sie zieht die Augenbrauen hoch. "Nun, ein gebrochenes Herz zu haben ist einer dieser Ausdrücke, denen die Definition fehlt, also sage ich nur, ich bin fallengelassen worden und es hat weh getan."

 

 

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Oh Gott, werde ich dich heute noch verletzten müssen?

 

Nein, nicht heute Nacht. Ich kann nicht. Ich möchte dein Gesicht nicht sehen, wenn ich dir weh tue.

 

Warum kann ich mich nicht zwingen, dich zu lieben?

 

 

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Seine Stimme ist nur noch ein flüstern. "Ich hasse es, daran zu denken, dass dir jemand weh tun könnte."

 

Scully's Augen werden größer und vielleicht ist es das Licht, aber es scheint, als ob sie sich mit Tränen füllen würden. "Wir nehmen das in Kauf, wenn wir uns mit jemand anderem einlassen und dann verletzbar werden."

 

"Bist du deshalb so lange allein gewesen?"

 

"Ich weiß nicht," sagt sie und faltet die Hände im Schoß. Er bemerkt, dass sie den Rücken bei seiner Frage versteift hat. "Ich denke, dass mein Leben sich nicht so besonders eignet, es mit jemand anderem zu teilen."

 

Skinner weiß, dass sie Geheimnisse hat, in ihrem Kopf, in ihrer Seele, die sie niemals mit ihm teilen wird. Scully und Mulder haben Dinge gesehen und getan, welche er nur erahnen kann. Und obwohl er derjenige ist, der mit ihr schläft, der die Frau sehen darf, beneidet er Mulder um diese Seite von ihr.

 

Er möchte sie gerne fragen, ob sie ihn jemals teilhaben lassen wird, aber er wagt es nicht. Er weiß, wo die Grenzen sind und wird sie nicht übertreten und sie dadurch vertreiben.

 

Und das verübelt er ihr. Warum muss es überhaupt Grenzen geben?

 

Er weiß, dass sie die Bedingungen in ihren ersten gemeinsamen Nacht festgelegt hat, aber er will eine Pause ausrufen um die Spielregeln neu zu definieren. Für ihn hat sich das Spiel geändert, warum nicht auch für sie?

 

"Ich weiß, wie das ist. Es ist ein Grund, warum es mit Sharon nicht gehalten hat. Ich konnte nicht mal anfangen ihr mein merkwürdiges Leben zu erklären," sagt er.

 

Ein trauriges und doch heiteres Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. "Das Leben hat uns gewisse Grenzen gesetzt, Skinner. Traurig, aber wahr."

 

"Wir müssen wohl das beste daraus machen." Sie nickt und kniet sich hin, lehnt sich zu ihm hinüber.

 

"Das tun wir," sagt sie entschlossen.

 

Seit Monaten wartet er schon darauf, dass es soweit ist, wartet darauf, dass es vorbei ist und heimlich, ohne es sich selbst einzugestehen, kämpft er seinen eigenen kleinen Guerilla Krieg dagegen.

 

 

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Nein, nicht heute Nacht. Wie Scarlett O'Hara sagen würde, morgen, morgen ist auch noch ein Tag…

 

 

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Ihr Kuss ist hart und verschlingend, ihre Zunge drängt sich in seinen Mund. Er ächzt bei dem Angriff auf seine Sinne, und sein Penis, wieder erholt, zuckt erwartungsvoll.

 

Scully löst sich von ihm und leckt sich die Lippen. "Ich glaube wir sind mit dem Essen fertig."

 

Skinner fängt an, die Teller zusammen zu räumen. "Je schneller wir das Geschirr wegspülen, desto schneller können wir ins Bett."

 

Ihre Hand umschließt sein Handgelenk, ihre Finger zu klein, um es ganz zu umfassen. "Das Geschirr kann warten."

 

Sie stehen auf und Skinner hebt sie auf seine Arme, aus eine Laune heraus, wie einer dieser Charaktere aus den Romanen, die man im Supermarkt kaufen kann. "Nenn' mich einfach Fabio," sagt er und sie lacht, als er sie ins Schlafzimmer trägt.

 

Er läßt sie aus seinen Armen aufs Bett gleiten. Ihr Bademantel ist am Busen halb offen und gestattet ihm einen guten Blick auf ihre kleinen Brüste mit harten Brustwarzen.

 

Sie winkt ihn mit dem Finger zu sich und wie ein Narr folgt er.

 

Dieses Mal haben sie mehr Zeit um sich zu schmecken und zu erforschen. Er poliert jeden Zentimeter ihrer Haut mit seinen Fingern und seinem Mund und genießt ihren Geschmack nach Safran und Mandeln. Er liebt es, wie sie bei seiner Berührung schnurrt, wie ihr Atem warm seine Schulter streift, als er sich zu ihren Brüsten herabbeugt und an ihren Brustwarzen saugt.

 

Skinner hört sich selbst aufschreien, als sie ihn in den Mund nimmt und ihre Zunge langsam an seiner Länge entlang gleiten läßt. Er beißt sich auf die Unterlippe um nicht vorzeitig zu kommen. Es wäre sicherlich wunderbar, in ihrem weichen Mund zu kommen, aber er will, dass es andauert.

 

Dann endlich, als sie beide keuchen und schwitzen und es so sehr wollen, dass sie mit den Zähne knirschen, dreht er Scully auf den Bauch. "Willst du…so?" Knurrte er, nur noch rudimentär der Sprache mächtig.

 

"Will…so" sagt sie und geht auf Hände und Knie.

 

Er steht vom Bett auf, seine Beine zittrig, und bewundert die Ansicht, die sich ihm bietet. Manchmal ist die Erwartung genauso gut wie der eigentlich Akt, denkt er. Ihr Rücken ist gebogen, wie der einer Katze, ihr Tattoo kreist mit den Bewegungen ihres kleinen Hinterns. Scully spreizt ihre Beine noch weiter und er kann die rosigen Falten sehen, umgeben von dunklen Locken, feucht, bereit nur für ihn.

 

Oh, denkt er, ich bin verloren. Seine Hand gleitet an seinem Bauch entlang zu seinem steifen Penis, noch immer feucht von ihrem Mund.

 

Scully dreht den Kopf und sieht, wie er sich bei ihrem Anblick selbst berührt und ihre Augen erscheinen ihm dunkler, als normalerweise.

 

"Du magst, was du siehst?" Fragt sie.

 

"Oh ja."

 

"Gut, warum kommst du dann nicht zu mir?"

 

"Einen Moment." Er schließt die Augen und stellt sich vor, wie es sich fühlen wird, wenn er in sie gleitet.

 

"Ich warte…" lacht sie.

 

Er gleitet hinter ihr aufs Bett. "Ich werde dich vögeln," knurrt er. Worte bereiten ihm Schwierigkeiten; sein Bewußtsein konzentriert sich auf anderen Dinge. "Ich werde dich vögeln, bis du in meinen Armen zusammenbrichst."

 

Er fühlt, wie sie daraufhin erschauert.

 

Seine Hände sind auf ihren Hüften und er erkennt kurz, dass er sie zu fest hält, dass sie wahrscheinlich blaue Flecken bekommen wird, aber es ist ihm egal. Meines, meines, meines, denkt er, als er sich endlich erlaubt, Zentimeter um Zentimeter in sie einzudringen. Auch wenn du es nicht zugeben willst, Scully, auch wenn es dich zu Tode ängstigt, du gehörst mir, mir allein.

 

Scully keucht, als er hart in sie dringt. Seine Finger gleiten zu ihrer Klitoris und streicheln sie im Rhythmus mit seiner Bewegung. Das Bett wackelt und das Kopfende klopft mit jedem Stoß gegen die Wand.

 

Meines, meines, meines, ist alles, was er denken kann, als seinen Nerven zu tanzen und zu funkeln beginnen.

 

 

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Es fühlt sich so gut an, wie er sie füllt und berührt, genau wie sie es liebt berührt zu werden, aber ihr Bewußtsein schwirrt vor zu vielen Gedanken und sie kann sich nicht konzentrieren.

 

Es funktioniert nicht, verdammt, es funktioniert nicht. Normalerweise kann sie alles vergessen und sich nur auf die Lust, die er ihr bereitet und die sie ihm bereitet, konzentrieren.

 

Aber im Moment geschieht zu viel, sie denkt an zu viele Dinge auf einmal.

 

 

Ethan, Skinner in Vietnam, Mulder schlafend auf meiner Couch, oh ja, noch einmal, noch einmal, mehr, armer Jack, viel zu jung gestorben, der Löffel, der auf den Boden fällt, Shit – ich werde ihm das Herz brechen, Skinner liebt mich, ich glaube ich liebe Mulder, ich habe keine Ahnung was Mulder fühlt, aber ich habe ihn seit Monaten belogen, dies hier ist so durcheinander, so durcheinander, warum kann ich nicht den Mann lieben, der gut für mich ist, ich will dir nicht weh tun, Skinner, es ist ein verdammter Fehler, oh dies fühlt sich so gut an, dies ist so durcheinander und es ist alles meine Schuld, warum kann ich es nicht richtig machen?

 

Gilt es als Entschuldigung, durcheinander zu sein?

 

Sie spürt, wie Skinner auf sie wartet, sich zurückhält und wartet, dass sie kommt. Sie kommt fast immer, vor allem mit ihm, aber jetzt wird es nicht passieren. Und deshalb stöhnt sie auf, vor Scham brennend, genauso wie sonst wenn sie kommt und zieht ihre Muskeln zusammen, um die rhythmischen Krämpfe ihres Orgasmus vorzutäuschen.

 

Immer diese Lügen, denkt sie, obwohl ich nicht lügen will, kommt es immer so.

 

 

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Er seufzt verzückt, spürt ihren intensiven Orgasmus, hört ihr leichtes Keuchen und Stöhnen, fühlt sich gut, weil er es zu Stande bringt, dass sie sich gut fühlt. Er ist derjenige, der sie dazu bringt, sie Selbst zu sein und nichts als pure Lust zu empfinden.

 

Sobald ihr Atem sich beruhigt, läßt er sich gehen, bis er sich, von seinem eigenen Orgasmus geschüttelt, in sie ergießt, seine Kiefer aufeinander gepresst, damit er nicht aufschreit.

 

Sie brechen zusammen, kriechen unter die Decke, ineinander verschlungen, sich küssend.

 

Er spürt, wie sie in Schlaf versinkt und erlaubt sich dasselbe.

 

Der Klang ihrer Stimme überrascht ihn. "Weißt du, was ich wirklich genossen habe, Skinner?" Ihre Stimme hat einen schläfrigen Unterton.

 

Er drückt sie an sich. "Was?"

 

"Als du mir aus "Evgeny Onegin" vorgelesen hast."

 

"Ich wünschte, ich könnte es auswendig, dann würde ich dir jetzt gleich was daraus erzählen." Skinner streichelt ihren Arm mit den Fingern.

 

"Das wäre schön…" die Art, wie ihre Stimme leiser wird, sagt ihm, dass sie eingeschlafen ist.

 

 

 

Weil sie schläft, gibt er etwas nach, dass er niemals wagen würde, wenn sie wach wäre.

 

Seine Stimme ist leise. "Ich liebe dich, Scully." Die einzige Antwort ist ihr gleichmäßiges Atmen.

 

 

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Seine Worte ziehen sie aus dem Strudel des Schlafes.

 

Er liebt sie.

 

Sie weiß es schon lange, hat sich aber eingeredet, es sei nicht so.

 

Was hat sie getan?

 

Sie muß sich anstrengen, weiter so zu tun, als schliefe sie, bis sie sicher gehen kann, dass er eingeschlafen ist.

 

 

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Es ist noch nicht mal hell, als er aufwacht und Skinner will nicht wissen, wie spät es ist. Scully liegt noch immer in seine Arme gekuschelt und er spürt, wie er wieder hart wird. Im grauen Licht, dass durch die Jalousien dringt betrachtet er ihren zurückgelegten Kopf, ihre Mund, der leicht offen steht und er will sie schon wieder.

 

Irgendetwas ist seltsam, anders, aber er weiß nicht was. Vielleicht zu viel Rioja letzte Nacht. Skinner fühlt wie sich eine Leere in seinem Magen ausbreitet.

 

Er haßt es sie zu wecken, tut es aber trotzdem, indem er seine Finger zwischen ihre Beine gleiten läßt, wo sie warm und noch immer feucht ist von letzter Nacht. Scully's Augen bleiben geschlossen, aber sie schürzt die Lippen und stöhnt leise.

 

"Tut mir leid, dich zu wecken," sagt er. Mit geschlossenen Augen, kichert sie leise.

 

Skinner zieht ihr schlankes Bein über seine Hüfte und dringt in sie ein; Er möchte vor Lust schreien.

 

Ihre Augen öffnen sich, groß und ins Leere starrend.

 

 

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Als die Lust vorüber ist und er wieder eingeschlafen ist, wartet sie bis sie ganz sicher sein kann und steht dann auf.

 

 

Die duscht und putzt sich die Zähne. Dann geht sie ins Wohnzimmer und sammelt das Geschirr ein. Sie versucht keinen Lärm zu machen, als sie alles in die Küche trägt.

 

Oh, er hat ihr Paella gekocht. Vor acht Monaten hätte sie nicht gedacht, dass Skinner so ein Romantiker sein könnte. Er ist alles, von dem sie geträumt hat als sie jünger war, die Art Mann, den ihre Mutter mit offenen Armen empfangen würde.

 

Sie geht zurück ins Wohnzimmer und setzt sich auf die Couch. Ich werde nicht weinen, denkt sie.

 

Aber andererseits hat sie es satt, nicht zu weinen.

 

Und sie hat sich selbst satt, hat es satt, Skinner zu brauchen und doch nicht zu brauchen, hat es satt, dass sie ihn nicht so lieben kann, wie er es verdient.

 

Uns sie hat es besonders satt so zu tun, als ob sie Mulder nicht lieben würde.

 

Sie schluchzt und die Endgültigkeit ihrer Erkenntnis schockt sie. Sie liebt Mulder, hat es wahrscheinlich schon immer getan.

 

Es wird so schrecklich sein, Skinner die Wahrheit zu sagen.

 

Es muss jedoch getan werden. Sie wünscht sie, sie wäre härter und könnte Skinner einfach hinauswerfen und das wäre es dann. Aber so ist sie nicht. Es wird weh tun, ihm und ihr auch.

 

Sie wischt sich die Tränen ab und schüttelt den Kopf. Sie wollte das nicht, wollte nicht, dass Skinner sich in sie verliebt. Es war, wie einem Unfall zuzuschauen. Sie konnte es nicht verhindern.

 

Das schlimmste ist, dass sie sich seiner Liebe nicht würdig fühlt.

 

Sie sitzt lange Zeit da, wartet darauf, dass er erwacht und schaut zu, wie der Himmel langsam hell wird.

 

 

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Morgen, außerordentlich und hell, der Himmel ist blau und die Vögel singen. Skinner öffnet die Augen und sieht, dass sie nicht mehr bei ihm ist. Er streckt sich und genießt die Nachwirkungen eines geruhsamen Schlafes und viel wundervollen Sex. Es wird ein guter Tag werden.

 

Er steht auf und kratzt sich an der Brust, findet seine Shorts auf dem Boden. Er hofft, dass Scully Kaffee gemacht hat.

 

Er findet sie im Wohnzimmer, sie sitzt auf der Couch, hat ihm den Rücken zugewandt.

 

Ihre Schultern zucken und für eine Sekunde ist er sich sicher, dass sie lacht. Was kann so früh morgens so lustig sein?

 

 

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Sie hört seine Schritte hinter sich auf dem Parkettboden. Er kommt.

 

Tu es, sagt sie sich. Tu es, sei tapfer.

 

Ich hasse das.

 

Es tut mir so leid.

 

 

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Sie lacht nicht.

 

Sie weint.

 

Und innerhalb eines klaren, erschreckenden Moments weiß er, was passieren wird.

 

Skinner weiß nicht, was er sagen soll. Er hat die Gewalt über die Sprache verloren.

 

Was sagt man, wenn die Stunde der Wahrheit letztendlich kommt?

 

Keine zehn Minuten später, ist er angezogen und geht durch die Tür.

 

Ein Mann weiß nie, wenn sein Leben kurz davor ist, sich zu ändern, denkt er, und angelt in der Tasche seiner Jeans nach dem Schlüssel. So wahr.

 

Scully schließt die Tür hinter ihm, ein endgültiges Geräusch, und er geht den Gang entlang und raus in die arme Luft eines hellen Morgens.

 

 

ENDE

 

 

 

 

 

 

 

Ich will dich

Es sind die Details, die mir das Herz brechen

Die Art, wie deine Schultern zucken und warum

 

Ich will dich

Die Wahrheit kann dir nicht weh tun, sie ist wie die Dunkelheit

Sie ängstigt dich zu Tode

Aber nach einer Weile erkennst du es

Ich will dich

Los, mach nur, tu mir weh und wir vergessen es

Ich will dich

Und leider weiß ich nicht wann ich aufhören muss

--Elvis Costello

 

 

Die Fakten über Paella sind aus Jeffrey Steingartens faszinierenden Geschichten über Essen "The Man Who Ate Everything."

Das William Styron Zitat ist aus seinem tragischen Roman "Sophie's Entscheidung". Der Elvis Costello Text ist aus "I want you", welches auf dem Album "Blood and Chocolate" zu finden ist. Gebt ruhig zu, dass euch auch schon mal jemand fallengelassen hat und ihr habt euch diesen Song einen Monat lang Tag und Nacht angehört, genauso wie ich :)

 

Ich muss nicht betonen, dass diese Geschichte für Kim ist, weil sie so erstaunliche Skinner Geschichten schreibt, wegen ihrer ungeteilten Unterstützung und Liebe und weil es so viel Spaß macht sie zu quälen.

Meinen bescheidenen Dank und viele Hershey Küsse an Plausible Deniability für sein ehrliches und exaktes Beta-Reading. Hallo, ich bin Dasha K. und ich habe ein Problem mit getrennten Infiniten und Kommasetzung (Geht es dir jetzt besser, Gwen?). Und ein Pfund guten Kaffee aus Sumatra für Pequod, Kim und Jean, Jean die Lesemaschine dafür, dass sie frühe Entwürfe gelesen hat und mir sehr hilfreiche Kommentare, Ratschläge und Unterstützung gegeben hat.

Es ist interessant, ich dachte ich sei fertig mit der Red Valerian-Serie, aber dann hat mir Skinner urplötzlich einen Schlag versetzt (er hat überraschend spitze Ellbogen) und mir gesagt ich hätte ihn in "Everything But the Girl" übervorteilt. Er war ein Marine, was kann ich da machen?

 

Ich würde gerne wissen, wie ihr das seht. dashak@aol.com